Die Vorbereitung für einen Auslandseinsatz erfordert viel Wissen im Einsatzgebiet. Von der Informationsbeschaffung über das Zielgebiet bis hin zur Planung der Logistik und rechtlichen Kenntnisse stehen viele Aufgaben an, die in oftmals kurzer Zeit umgesetzt werden müssen. Hinzu kommt, dass man vor Ort noch einmal alles überprüfen muss.
Und dennoch ist es sehr schwierig, wenn man keine genauen Infos hat. Ob im Inland oder im Ausland, Wissen ist immer wichtig. Eigensicherung und genaue Planung ist sowieso sehr wichtig. Nur wer sich selbst bestens schützen kann, der kann auch andere schützen. Die Planung ist eine Sache und die individuelle schnelle Reaktion während des Einsatzes eine andere Sache.
Ich kann mich noch gut an einen Auftrag in Osteuropa erinnern, der bestens geplant war und fast zum Disaster wurde. Der Grund liegt fast immer bei dem Auftraggeber. Der Einsatz wurde sehr klein und minimalisisch geordert. Obwohl ich eine ordentliche Reserve zusätzlich noch einplante, ging der Einsatz fast schief.
Mein Auftraggeber hatte die ganze Situation unterschätzt. Es sollte nur eine kleine Begleitung werden, ohne Waffen und ohne Verstärkung. Aus meiner Sicht war das völlig falsch durchdacht. So brachte ich eine eigene Reserve in Stellung - nämlich mich. Alles auf meine eigene Rechnung und ohne Absprache mit meinem Kunden. Diese Absicherung sollte dann doch noch dringend gebraucht werden und ohne diese Absicherung und Reserve wäre nicht nur das Leben der Schutzperson und des Bodyguards bedroht worden, sondern auch das meines Auftraggebers, der der Mann der Schutzperson war.
Geplant wurde nur eine wöchtenliche demonstrative Begleitung einer Frau, die vom Wohnsitz zum Einkaufen und zurück gefahren werden sollte und eventuell noch 10 Tage mehr. Laut Aussage meines Auftraggebers wäre die Sicherheit sehr gut, der Personenschutz eigentlich überflüssig! Warum, so fragte ich. Er antwortete, er wolle es den Nachbar zeigen, wie Reich er sei.
Naja ich war davon nicht überzeugt, ich hätte mich nicht zum Affen gemacht und den Pseudo-Bodyguard gespielt. Ein netter Kollege hat diese Demonstrationsaufgabe schließlich übernommen und ich war als Reserve inkognito vor Ort. Glücklicher Weise hatte ich noch automatische Waffen im Gepäck dabei. Mein Motto ist immer: "Sicher ist Sicher!"
Die ersten 3 Tage war alles sehr ruhig und irgendwie zu leicht. Alles schien so zu sein, wie es mein Auftraggeber sagte. Aber ich hatte dieses komische Gefühl im Bauch. Ich hatte mich genau informiert und die Daten habe ich dann nochmals vor Ort überprüft. Alles schien soweit in Ordnung. Doch da war noch das komische Gefühl. Die Frau fuhr auch immer zur gleichen Zeit in die Stadt und dann wieder zurück zum Anwesen - das war auch komisch. Die Strecke war immer die gleiche und ich recherchierte zusätzlich nach dem früheren Fahrer der Frau. Obwohl ich alles versuchte bekam ich keine richtige Information über diesen Fahrer und dem verbleib des selben.
Nach dem 3. Tag habe ich die Fahrstrecke stark verändert und die Zeiten geändert. Das wollte der Auftraggeber eigentlich nicht und so wurde mein Gefühl nochmals verstärkt. Schnell aktivierte ich noch einen Kollegen und weitere Waffen. Dieser Kollege sollte sich in Sichtweite des Einkaufbereich der Schutzperson positionieren. Wir fanden eine geeignete Wohnung, die auch direkt den Einstiegsbereich sicherte, indem die Frau immer ins Auto einsteigt, wenn sie wieder zum Anwesen zurück gefahren wird. Zusätzlich trug nun jeder von uns kugelsichere Westen und eine unsichtbare Waffe. In der Wohnung meines zusätzlichen Kollegen haben wir dann einen Teil der schweren Waffen deponiert.
Am vorletzten Tag des Auftrages wurde dann mein Gefühl bestätigt. Ein Auto schnitt das Auto meines Mitarbeiters und der Schutzperson und eröffnetet sofort das Feuer mit automatischen Waffen. Ich war etwa 100 Meter zurück und konnte gerade noch rechtzeitig mit eingreifen. Ich gab dem Kollegen in der Wohnung, der freies Schussfeld hatte, den Feuerbefehl. Er feuerte ein paar Feuerstöße aufs gegnerische Auto. Unser schnelles Eingreifgen und die Angst unserer Gegner hatte glücklicherweise zur Folge, dass sie schnellstens flüchteten. So konnte unser Auto schnell wieder zum Haus meines Auftraggebers zurück fahren. Mein Fahrer hatte 2 Kugel abbekommen, ohne Schutzweste wäre das tragisch verlaufen. Die Frau war unverletzt, aber mit den Nerven am Ende.
Ich war dann noch über 100 Stunden mit den rechtlichen Dingen beschäftigt. Aufenthalte bei der Polizei und beiden Anwälten. Diesen Teil der Arbeit möchte niemand gern machen. Das war mein einziger Einsatz in Osteuropa. Man will ja sein Glück nicht herausfordern.
In den USA hatte ich auch so manche schwierige Zeit, aber ohne Waffeneinsatz. Dennoch bin ich heute froh, dass ich nie angeschossen worden bin. Ohne größere Verletzungen und ohne jemanden erschossen zu haben, kann ich heute entspannter die Vergangenheit betrachten.
Ich plane heute fast ausschließlich und mache nur noch die letzte Reserve, wenn nötig. Meine Planung und mein Instinkt sind immer noch sehr befragt.
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